Spurensuche in der Eifel




Geschichte hautnah erleben: Die Mathilde-Anneke-Schule auf Spurensuche in Vogelsang
Am gestrigen Tag, Montag, den 13.04.2026, tauschte der 10. Jahrgang der Mathilde-Anneke-Schule aus Sprockhövel das Klassenzimmer gegen einen der eindrucksvollsten historischen Lernorte Deutschlands: die ehemalige NS-Ordensburg Vogelsang in der Eifel. Die Exkursion bot unseren Schülerinnen und Schülern die Gelegenheit, Geschichte dort zu begreifen, wo sie einst geplant und inszeniert wurde.
Ein Ort der Verführung und des Verbrechens
Die zwischen 1934 und 1941 errichtete Anlage war eine von drei „Ordensburgen“, die dem NS-Regime als Kaderschmiede für den Führungsnachwuchs der NSDAP dienten. Hier sollten junge Männer im Sinne der rassistischen Ideologie zu sogenannten „Herrenmenschen“ geformt werden. Die monumentale Architektur, die sich über 100 Hektar erstreckt, war dabei kein Zufall: Sie sollte Macht demonstrieren und das Individuum einschüchtern. In der Dauerausstellung „Bestimmung: Herrenmensch“ wurde deutlich, dass die hier geschulten Männer später in den besetzten Gebieten Osteuropas zu Tätern und Mittätern bei Massenverbrechen wurden.
Mehr als nur ein Schulbuch
Für unsere Zehntklässler war der Besuch weit mehr als eine bloße Geschichtsstunde. Auf dem riesigen Adlerhof zu stehen oder die Symbole des Personenkults wie das Fackelträger-Relief im Original zu sehen, vermittelte ein tieferes Verständnis für den Zeitgeist der 1930er Jahre, als es jedes Video oder Schulbuch leisten könnte. Die Schüler zeigten sich beeindruckt von der beklemmenden Atmosphäre der „Täter-Architektur“, die gleichzeitig die Mechanismen von Propaganda und Manipulation greifbar machte.
Unsere Verantwortung: Schule ohne Rassismus
Als zertifizierte „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ war dieser Besuch für uns eine Herzensangelegenheit. Die Transformation von Vogelsang von einer ausgrenzenden Eliteschule hin zu einem „Internationalen Platz“, der heute für Toleranz, Vielfalt und ein friedliches Miteinander steht, spiegelt unsere eigenen Schulwerte wider. Der Besuch hat uns darin bestärkt, dass eine lebendige Erinnerungskultur die wichtigste Säule für eine wachsame Demokratie ist.
Die Mathilde-Anneke-Schule gedenkt aller Opfer der nationalsozialistischen Herrschaft. Wir setzen uns aktiv und entschlossen gegen jede Art der Diskriminierung, Ausgrenzung und Gewalt ein.
Ein herzliches Dankeschön
Ein besonderer Dank gilt dem LWL-Mobilitätsfond. Durch seine großzügige Unterstützung und die Übernahme eines Teils der Fahrtkosten wurde diese wichtige Exkursion überhaupt erst ermöglicht. Dank dieses Engagements konnten wir einen wertvollen Beitrag zur historisch-politischen Bildung unserer Schülerinnen und Schüler leisten.