Vom Rotkohl zum Kunstwerk

Vom Rotkohl zum Kunstwerk - Chemie, die begeistert

Klasse 10A der Mathilde-Anneke-Schule erlebt MINT hautnah im Naturfreundehaus Eggeklause

Sprockhövel/Wetter (Ruhr) – Chemie ist trocken und findet nur im Labor statt? Von wegen! Dass Naturwissenschaften bunt, kreativ und sogar entspannend sein können, bewies die Klasse 10A der Mathilde-Anneke-Schule aus Sprockhövel bei ihrem jüngsten Ausflug. Im Rahmen des Schuljahres 2025/2026 nimmt die Schule an dem spannenden Projekt „Chemie und Farben – Nachhaltige Farben selber herstellen und nutzen“ teil.

Der außerschulische Lernort hätte kaum idyllischer sein können: Das Naturfreundehaus Eggeklause in Wetter (Ruhr). Organisiert durch das zdi-Netzwerk Ennepe-Ruhr und unterstützt von der Agentur für Arbeit Hagen, tauchten die Schülerinnen und Schüler tief in die Welt der natürlichen Farbstoffe ein.

Erst die Forschung, dann das Vergnügen

Der Vormittag begann nicht etwa mit Pinseln, sondern mit solider Recherchearbeit. Auf Arbeitsblättern erarbeiteten die Jugendlichen zunächst die Vor- und Nachteile von „Bio-Farben“. Sie lernten, dass diese zwar umweltfreundlicher und gesünder für das Raumklima sind, aber oft teurer und weniger lange haltbar als industrielle Produkte. Auch Fachbegriffe wurden geklärt: Am Laptop recherchierten die Schüler, was genau „Lichtechtheit“ bedeutet – nämlich die Widerstandsfähigkeit einer Farbe gegen das Verblassen durch Sonnenlicht.

Vom Rotkohlkopf zur Farbpalette

Nach der Theorie folgte die Praxis. An einer Station wurde der Rotkohl zunächst mit einem speziellen Spiralschneider mechanisch zerkleinert. Dann ging es an die Feinarbeit: Ausgestattet mit blauen Schutzhandschuhen und Mörsern verwandelte sich der Seminarraum in ein echtes Labor. Mit Ausdauer zerrieben die Jugendlichen die Pflanzenfasern, um den violetten Saft zu gewinnen.

Der eigentliche „Aha-Effekt“ kam jedoch beim Experimentieren mit Zusatzstoffen.

Indikator-Streifen und Farb-Tests

Die Schüler träufelten Zitronensaft in ihre violette Ur-Tinktur und das Ergebnis verblüffte: Wie von Zauberhand wechselte die Farbe von Dunkelblau zu einem leuchtenden Pink-Rot. Um dieses Phänomen genau zu verstehen, stellten die Jugendlichen eigene Teststreifen her, die einen faszinierenden Farbverlauf von Rot über Gelb bis Blau zeigten und so den pH-Wert sichtbar machten. Bevor das große Gemeinschaftsmosaik entstand, legten die Schüler sorgfältig Farbkarten auf Papier an, um die verschiedenen Nuancen von zartem Flieder bis hin zu kräftigem Blau zu prüfen.

„Ich konnte dabei unglaublich gut abschalten“

Die Atmosphäre während der anschließenden Malphase war bemerkenswert ruhig. Was als chemisches Experiment begann, entwickelte sich zu einer fast meditativen Einheit. Die Konzentration auf die Farbverläufe sorgte für Begeisterung. Eine Schülerin fasste die Stimmung treffend zusammen: „Ich konnte dabei unglaublich gut abschalten.“

Ein herzliches Dankeschön

Ein großer Dank geht an das Team des Naturfreundehauses Eggeklause für den überaus freundlichen Empfang mit heißem Kakao und leckeren Pommes zur Stärkung.

Ebenso bedanken wir uns herzlich bei Frau M. Gottschling vom zdi-Netzwerk für die tolle Organisation. Ein besonderer Dank gilt zudem der Initiative Talente von Morgen, die sich stark für die Berufsorientierung und die Förderung junger Talente in unserer Region einsetzt und diesen Tag mit ermöglicht hat.


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Du bist neugierig geworden?

 

Dann folgt hier ein fachlicher Sprung ins Chemiker-Wissen:

Der Farbstoff des Rotkohls: Anthocyane Der Farbstoff, der dem Rotkohl seine charakteristische lila-rote bis bläuliche Farbe verleiht, gehört zur chemischen Gruppe der Anthocyane.

  • Gruppenbezeichnung: Anthocyane (eine Untergruppe der Flavonoide).

  • Chemischer Name: Der Grundkörper ist das Cyanidin. Die Anthocyane liegen meist als Glykoside vor, das heißt, sie sind mit Zuckermolekülen verbunden. Diese Stoffe sind nicht nur im Rotkohl, sondern auch in vielen Beeren oder blauen Kornblumen zu finden, wo sie oft als natürlicher UV-Schutz dienen.

Der Farbumschlag: Anthocyane als pH-Indikatoren Dass Rotkohl beim Kochen mit Essig rot wird oder mit Natron blau-grün, liegt an seiner Eigenschaft als pH-Indikator.

Der Mechanismus: Der Farbumschlag passiert, weil sich die Struktur des Moleküls ändert, je nachdem wie viele Wasserstoffionen (H+) in der Umgebung sind.

  1. Neutrales/Basisches Milieu (Lila/Blau): Das Molekül reflektiert primär blaues Licht.

  2. Saures Milieu (Rot): Kommt Säure (z.B. Zitrone) hinzu, steigen die H+ Ionen an. Das Farbstoff-Molekül nimmt diese auf, ändert seine Form und reflektiert nun rotes Licht.

pH-Werte und Indikatoren: Die Grundlagen

Was ist der pH-Wert? Der pH-Wert ist eine Maßzahl dafür, wie sauer oder basisch eine Lösung ist. Die Formel lautet vereinfacht: pH = - log [H+] (Das bedeutet: Der pH-Wert ist der negative Logarithmus der Wasserstoffionen-Konzentration).

Die Skala (0 bis 14):

  • pH unter 7: Sauer (z.B. Essig, Zitrone)

  • pH gleich 7: Neutral (reines Wasser)

  • pH über 7: Basisch (z.B. Seifenlauge)

Wichtig: Die Skala ist logarithmisch. Ein Sprung von pH 4 auf pH 3 bedeutet, dass die Lösung zehnmal saurer geworden ist!

Der Rotkohlsaft ist ein genialer Universalindikator, da er fast die gesamte Farbpalette der pH-Skala anzeigen kann. Es ist faszinierend, wie ein alltägliches Gemüse einen so tiefen Einblick in die Chemie geben kann!

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