Die Förderung von SuS mit keinen oder geringen Sprachkenntnissen an der MAS

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  1. Entwicklung
    Seit Beginn des Schuljahres 2010/11 wurden in der Mathilde-Anneke-Schule 111 SuS mit Migrationshintergrund beschult. Zwar war die Kenntnis der deutschen Sprache bei den meisten von ihnen lückenhaft, sie waren jedoch durchweg kommunikationsfähig. Defizite in der Sprache konnten durch intensive Förderung im Nachmittagsbereich verringert werden und standen einem erfolgreichen Schulabschluss und einer Ausbildung nicht im Wege.Während des Schuljahres 2012/13 nahm die Schule die ersten SuS auf, die neu in Deutschland waren und deren Wortschatz sehr gering war. In Zusammenarbeit mit der VHS Gevelsberg war es möglich, ihren Umgang mit der deutschen Sprache soweit aufzubauen, dass sie dem „normalen“ Unterricht folgen konnten. Einige von ihnen hat bereits die Mathilde-Anneke-Schule mit einem Schulabschluss verlassen und eine Ausbildung begonnen.
  2. Schuljahr 2013/14 und 2015/16
    Die Aufnahme sog. „Seiteneinsteiger“, die im Schuljahr 2013/14 begann, machte die Entwicklung eines neuen Konzeptes notwendig. Am Ende des vergangenen Schuljahres wurden an der Mathilde-Anneke-Schule ca. 30 Schülerinnen und Schüler beschult, deren Kenntnisse der deutschen Sprache nicht vorhanden oder sehr lückenhaft waren. Am 1. März 2016 kamen 15 Flüchtlinge zwischen 11 und 16 Jahren in die Mathilde-Anneke-Schule, 6 davon ohne Begleitung. Ein Teil von ihnen musste noch alphabetisiert werden. Um möglichst allen SuS gerecht werden zu können, wurde ein umfassendes neues Konzept entwickelt, das folgende Neuerungen mit einander sinnvoll verknüpft:

– Einrichtung von 2 „Vorbereitungsklassen“ mit Unterricht auf mehreren Niveaustufen im Schuljahr 2015/2016
– Entwicklung eines Sprachstandstest zur Feststellung des momentanen Sprachniveaus
– Einrichtung eines Alphabetisierungskurses mit phonembasiertem und graphologischemTraining
– Stundenplanbezogener Wechsel aller alphabetisierten SuS in die Stammklassen
– Zusätzliche Kommunikationskurse im Nachmittagsbereich zur Förderung der mündlichen und schriftsprachlichen   Ausdrucksfähigkeit unter Einbeziehung kultureller Aspekte.
– Sozialtraining in kleinen Gruppen im Nachmittagsbereich (Sozialarbeiter).


3. Momentane Situation

Momentan sind SuS folgender Länder in der Schule vertreten: Afghanistan (5), Albanien (4), Irak (5), Iran (3), Italien (2),
Kosovo (5), Mazedonien (1), Mongolei (1), Polen (3), Rumänien (2), Serbien (4), Syrien (21), Tadschikistan (2).
Am 28.06.2016 wurde ein neuer RdErl. des Ministeriums für Schule und Weiterbildung in NRW gültig. Dabei machten folgende
Punkte eine Überarbeitung des bestehenden Konzeptes nötig:

2.1 Alle neu zugewanderten Schülerinnen und Schüler sind vom Zeitpunkt der Aufnahme an Schülerinnen und Schüler der neu aufnehmenden Schule. Sie werden dort in der Regel in einer Klasse der ihrem Alter entsprechenden Jahrgangsstufeund nach deren Stundentafel unterrichtet (Regelklasse). Klassenbildungen mit ausschließlich neu zugewanderten Schülerinnen und Schülern sind zu vermeiden.

2.3 Wenn eine Aufnahme der Schülerinnen und Schüler in eine Regelklasse gemäß Nummer 2.1 nicht möglich ist, kann die Schulaufsichtsbehörde zeitlich befristet an einer Schule Klassen zur vorübergehenden Beschulung einrichten. Diese Klassen können an allgemeinen Schulen aller Schulformen eingerichtet werden. Die zeitnahe – auch unterjährige – schrittweise Integration in Regelklassen ist anzustreben.

Die Struktur des daraufhin überarbeiteten Konzepts ist auf folgender Grafik zu erkennen:

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Das MAS 3-Phasen-Modell

Das 3-Phasen-Modell

 

  1. Erläuterung:
    In einem speziell für die Seiteneinsteiger erstellten Sprachstandstest wird festgestellt, auf welcher Niveaustufe die SuS sich bewegen:

1  Analphabet
2  Buchstabenebene
3  Wortebene
4  Satzebene


Phase 1
SuS mit keinerlei Buchstabenkenntnis oder aber Buchstabenkenntnis ohne Grundwortschatz besuchen die Fördergruppe, bis sie einen Grundwortschatz erworben haben. Nach Bedarf oder maximal nach 6 Monaten wird der Sprachstandstest wiederholt und der Lernzuwachs festgestellt.

Phase 2
Die SuS gehen in ihre Stammklassen, in denen sie in den Nebenfächern zusammen mit ihren Klassenkameradinnen unterrichtet werden. In den Stunden, in denen die Hauptfächer, d. h. schriftlichen Fächer gegeben werden, wechseln sie wieder in die Fördergruppe, wo gezielt das Fachvokabular und grammatische Strukturen im Mittelpunkt stehen. Die Örderung hier findet auf mehreren Niveaustufen in mindestens 2 Gruppen statt. Stellen die am Unterricht beteiligten Personen fest, dass die SuS durchgängig am Unterricht teilnehmen könnten, wird wiederum der Sprachstandstest durchgeführt.

Phase 3
Die Erfahrungen haben gezeigt, dass Seiteneinsteiger, die auch die Aufgaben der Satzebene des Tests zu über 80% richtig bearbeitet haben, dem gesamten Unterricht folgen können. Hierbei werden den SuS entsprechend Nachteilsausgleiche in Form einfacherer Texte, Nichtbewertung der Rechtschreibung und der korrekten Grammatik, Benutzen eines Wörterbuchs usw. gewährt. Auch in den Notenzeugnissen, die Seiteneinsteiger nach 2 Jahren bekommen, wird dieser Nachteilsausgleich angewendet.

Weiterhin durchgeführte begleitende Maßnahmen

  • Kommunikationskurs einer arabisch sprechenden Kursleiterin im Nachmittagsbereich.
    Entwicklung eines Sprachstandstest zur Feststellung des momentanen Sprachniveaus

  • Alphabetisierungskurs mit phonembasiertem und graphologischem Training

  • Zusätzliche Kommunikationskurse im Nachmittagsbereich zur Förderung der mündlichen und schriftsprachlichen Ausdrucksfähigkeit unter Einbeziehung kultureller Aspekte.

  • Sozialtraining in kleinen Gruppen im Nachmittagsbereich (Sozialarbeiter).

  1. Verteilung
    Von 58 Seiteneinsteigern, die die Mathilde-Anneke-Schule in den letzten 3 Jahren aufgenommen hat, befinden sich zurzeit 5 in der 1. Phase und ca. 20 in der 2. Phase. Alle anderen besuchen ausschließlich ihre Stammklasse.

6. Evaluation im September 2016

Erkannte Probleme

  • Ein reibungsloser Ablauf kann nur gewährleistet werden, wenn in allen Klassen regulärer Unterricht stattfindet. Selbst ein Unterrichtsgang oder Vertretungsunterricht in einer Klasse führt zu Unruhe und Missverständnissen.

  • Die Schülerschaft in der zentralen Fördergruppe wechselt stündlich. Auch bei den Wechseln wird viel Zeit durch Unruhe verloren.

  • In einer zentralen Fördergruppe ist es nicht möglich, aufgrund der Gruppengröße auf die Bedürfnisse jedes einzelnen Schülers einzugehen.

  • Die Informationen über die bearbeiteten Inhalte können nicht schnell genug übermittelt und individuell verarbeitet werden.

Fazit
Der stundenweise Wechsel in die Fördergruppen muss neu geplant werden.

Durchgeführte Änderungen
Die Förderklasse (ehem. DaZ-Klasse) hat 3 Aufgaben:

  • Alphabetisierung
  • Förderung der Seiteneinsteiger bis zur möglichen Teilnahme des Unterrichts in den Stammklassen

  • Vermitteln von „Basics“ in den Kernfächern Deutsch, Englisch, Mathematik

    In der Stammklasse werden die Seiteneinsteiger zweigleisig unterrichtet:

  • Im Klassenverband dort, wo „Lernen durch Nachahmung“ möglich ist.

  • Während der Lernstudioarbeit der Klassen 5/6 und 7/8 mit individuell zusammengestellten Aufgabenkarten in den Kernfächern, Deutsch, Englisch und Mathematik. Die Betreuung dieser Gruppen übernehmen evtl. Zweitbesetzungen in Kooperation mit Sonderpädagoginnen.

In der folgenden Grafik werden diese Änderungen berücksichtigt.

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Das neue MAS 3-Phasen-Modell

Nächste Evaluation

Eine weitere Evaluation ist nach den Weihnachtsferien geplant. Änderungen sollen dann zu Beginn des nächsten Schulhalbjahres greifen.