Trainingsraumkonzept

Das Trainingsraumkonzept der GHS Niedersprockhövel  wurde entwickelt aus den Erfahrungen der Anne Frank Hauptschule in Hamm, die einige Kolleginnen und Kollegen im Mai 2003 zu Informationsgesprächen besuchten. Gründe für die Überlegungen war die Erkenntnis, dass immer mehr Unterrichtszeit für das Regeln von Unterrichtsstörungen verloren ging und der Wunsch des Kollegiums nach einem einheitlichen Instrument, um mit diesen Störungen effektiv umzugehen, mehr reine Unterrichtszeit zu gewinnen und eine Verhaltensänderung bei den Schülern zu bewirken. Nach intensiven Beratungen in der Lehrerkonferenz stimmte das Kollegium zu, ab dem Schuljahr 2003/04 einen Trainingsraum  nach dem Konzept der Anne Frank Schule an der GHS Niedersprockhövel einzurichten.

Ziel unseres Trainingsraums, auch Raum des eigenverantwortlichen Denkens, ist es, dem Schüler sein störendes Verhalten bewusst zu machen und eine dauerhafte Verhaltensänderung zu bewirken.

Folgende 14 Regeln bestimmen das Zusammenleben in den Klassen:

  • Ich wende keinerlei Gewalt an und verletze niemanden!
  • Ich beschimpfe und beleidige niemanden!
  • Ich beschädige und beschmutze das Eigentum anderer und die Einrichtungen der Schule nicht!
  • Ich spreche höflich!
  • Ich komme pünktlich zum Unterricht!
  • Ich beteilige mich am Unterricht!
  • Ich halte meine Unterrichtsmaterialien bereit!
  • Ich höre zu, wenn andere sprechen!
  • Ich melde mich, wenn ich etwas sagen möchte!
  • Ich warte, bis ich aufgerufen werde!
  • Ich laufe nicht ohne Erlaubnis durch die Klasse!
  • Ich esse, trinke oder kaue nur in den Pausen oder wenn es ausdrücklich erlaubt ist!
  • Ich benutze keinerlei elektronische Geräte während des Unterrichts!
  • Ich trage keine Kopfbedeckungen und Sonnenbrillen im Gebäude!

Schüler, die gegen diese Regeln verstoßen, werden vom Lehrer ermahnt und der Name des Schülers wird an die Tafel geschrieben.

Verstößt die Schülerin oder der Schüler in der gleichen Unterrichtsstunde ein zweites Mal gegen die Regeln, wird er mit einem Entsendezettel (Anlage 1)  in den Trainingsraum geschickt.

Hier muss er sich unter der Aufsicht eines Trainingsraumlehrers schriftlich mit der Störung auseinandersetzen  und dem Entsendelehrer Vorschläge für sein Verhalten in der Zukunft  unterbreiten (Anlage 2). Zurück im Unterricht bespricht der Entsendelehrer diese Überlegungen mit dem Schüler. Akzeptiert der Lehrer, darf der Schüler wieder am Unterricht teilnehmen, ansonsten muss er zur Überarbeitung zurück in den Trainingsraum.

Wird eine Schülerinnen oder ein Schüler innerhalb eines Schulhalbjahres zum vierten Mal in den Trainingsraum entsendet, wird er nach telefonischer Information der Eltern (Anlage 3) nach Hause geschickt und darf erst am nächsten Morgen mit seinen Eltern zu einem Gespräch zwischen 7.00 Uhr und 7.45 Uhr wieder in die Schule kommen.

Bei dem intensiven Beratungsgespräch, an dem der Schüler, mindestens ein Elternteil, der Klassenlehrer, der Entsendelehrer, ein Trainingsraumlehrer und die Schulleitung teilnehmen, wird dem Schüler noch einmal sein Fehlverhalten verdeutlicht und mit den Eltern besprochen. Hier werden eventuell auch weitere außerschulische Hilfen vermittelt.

An den folgenden fünf Schultagen arbeitet der Schüler nun den gesamten Vormittag „intensiv“ im Trainingsraum. Er ist verpflichtet sich jeden Morgen bis spätestens 7.45 Uhr Arbeitsmaterialien für die Fächer Deutsch, Mathematik, Englisch und zwei weitere Fächer nach Wahl bei den jeweiligen Fachlehrern zu holen und seine bearbeiteten Aufgaben des Vortages zur Kontrolle vorzulegen.

Kollegen, die erst später zum Unterricht kommen, hinterlegen Aufgaben für die „Intensivschüler“ an vorbereiteter Stelle im Lehrerzimmer.

Im Trainingsraum darf selbstverständlich auch nicht gestört werden. Geschieht dies jedoch, wird der Schüler nach vorheriger einmaliger Ermahnung wiederum nach Hause geschickt und muss wiederum am nächsten Morgen zu einem Gespräch erscheinen.

Nach fünf Tagen „Intensivarbeit“ wird nach dem Vormittagsunterricht in einem Rückkehrgespräch an dem der Schüler, der Klassenlehrer und ein Trainingsraumlehrer teilnehmen, entschieden, ob der Schüler ab dem nächsten Morgen  wieder am Unterricht der Klassen teilnehmen darf. Voraussetzungen dafür sind regelmäßiges und pünktliches Holen der Aufgaben, ordentliche Bearbeitung der Aufgaben, keine Störungen im Trainingsraum (Anlage 4).

Sind die Voraussetzungen nicht erfüllt, wird der Aufenthalt im Trainingsraum um bis zu drei Tagen verlängert.

Evaluation:

Nach sechs Jahren Trainingsraumerfahrungen können wir folgendes sagen:

  • Das Trainingsraumkonzept ist vom gesamten Kollegium akzeptiert. So ist das Kollegium damit einverstanden, dass im laufenden Schuljahr das Ableisten einer Mittagspause nicht mit einer halben Lehrerstunde angerechnet wird, um so Lehrerstunden für die Besetzung des Trainingsraums während des gesamten Vormittags zu gewinnen. Das Trainingsraumteam bekommt für eine Trainingsraumstunde und für das Ableisten der Beratungsgespräche vor dem Unterricht eine halbe Lehrerstunde angerechnet.
  • Auch in der Elternschaft herrscht eine hohe Akzeptanz. Mindestens 95 Prozent der Eltern erscheinen pünktlich am nächsten Morgen zum Gespräch und arbeiten kooperativ mit.
  • Ein Großteil der Schüler besucht den Trainingsraum während seiner gesamten Schulzeit nur ein Mal.
  • Ungefähr 10 bis 15 Prozent der Schüler besuchen den Trainingsraum häufiger und haben auch, verteilt auf mehrere Schulhalbjahre, mehrere Intensivphasen.
  • Ca. 2-3 Prozent der Schüler sind trainingsraumresistent. Sie haben zwei und mehr Intensivphasen pro Schulhalbjahr. Für diese Schüler wurde daher vor vier Jahren eine neue Regelung gefunden. Stören Sie den Unterricht, werden sie sofort nach telefonischer Information der Eltern aus dem Trainingsraum nach Hause geschickt. Sollte dies gehäuft auftreten, greifen Ordnungsmaßnahmen nach dem Schulgesetz. Parallel dazu werden Eltern weiterhin beraten und gegebenenfalls zu außerschulischen Einrichtungen vermittelt. In Extremfällen wird die Einleitung eines VOSF Verfahrens angedacht, um den Schüler an einem anderen Schulort besser fördern zu können.
  • Regelmäßig muss das Trainingsraumkonzept vom Team überdacht werden und diese Überlegungen in die Konferenz gebracht werden. So entstanden in den vergangenen Jahren immer wieder neue oder veränderte Formulare, um das Erscheinen und Bearbeiten der Schüler effizient überprüfen und allen Beteiligten zeitnah offen legen zu können. Einheitliches Vorgehen des gesamten Kollegium, aber auch des Trainingsraumteams muss immer wieder thematisiert werden.

Die Zeit, die für Unterrichtsstörungen verloren geht, konnte auf ein Minimum reduziert werden


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