JüL-Konzept

JÜL-Konzept MAS

Antrag an die Schulentwicklungskonferenz

Abweichend von der Verordnung zur Ausführung des § 93 Abs. 2 SchulG, die in § 6(1) erläutert, „Die Klassen werden (…) in der Regel als Jahrgangsklassen gebildet.“, beantragt die Mathilde-Anneke-Schule, zum Schuljahreswechsel 2015/2016 in den Jahrgangsstufen 5 und 6 jahrgangsübergreifende Klassen einrichten und sowohl jahrgangsstufenbezogenen Unterricht in den Fächern Deutsch, Mathematik und Englisch als auch jahrgangsübergreifenden Unterricht in den Fächern Deutsch, Englisch, Mathematik und allen anderen Fächern durchführen zu dürfen. Grundlage bildet das von der Schulentwicklungskonferenz bereits genehmigte Konzept für die Jahrgangsstufen 5 und 6 der Inklusiven Gesamtschule „Bonns Fünfte“ in Bonn vom 22.10.2012.

Der Antrag zur Vorlage bei der Schulentwicklungskonferenz wurde von der Schulkonferenz am 16.09.2014 einstimmig, ohne Gegenstimme und Enthaltung, beschlossen.

Die gewählten Vertreterinnen und Vertretern der Schulkonferenz für Eilentscheidungen [§67(4) SchulG] haben am 27.03.2015 einstimmig, ohne Gegenstimme und Enthaltung, dem geänderten Entwurf zum zweistufigen JüL-Konzept der MAS zugestimmt.

Warum jahrgangsübergreifender Unterricht?

Mit unserem Konzept des jahrgangsübergreifenden Lernens tragen wir pädagogisch und fachlich der in Bezug auf Alter und Leistungsvermögen sehr heterogenen Lerngruppen Rechnung.

In unseren Klassen haben wir ein Spektrum von Schülerinnen und Schülern mit Lernvoraussetzungen, die oft mehrere Jahrgangsstufen umfassen.

Ebenso umfasst das Altersspektrum einer Klasse mehrere Jahre. Einige Schülerinnen und Schüler werden zieldifferent gefördert und werden in eigenen Bildungsgängen beschult (Förderschwerpunkt Lernen und geistige Behinderung), andere wiederum können aufgrund ihrer Begabungen teilweise oder ganz die Anforderungen des höheren Bildungsgangs erfüllen.

Aus dieser Heterogenität heraus ergibt sich folgerichtig, dass viele Kinder durch eine Durchmischung der Klassenstufen auf vielfache Weise profitieren könnten.

Soziales und fachliches Lernen in jahrgangsübergreifenden Gruppen

U.a. halten wir aus folgenden Gründen jahrgangsübergreifende Gruppen für sinnvoll:

  • Kein Kind ist immer das leistungsstärkste, kein Kind ist immer das leistungsschwächste.

  • Jedes Kind, auch ein leistungsschwaches erlebt, dass es Lernfortschritte macht.

  • Jedes Kind kann sein Wissen weitergeben und festigen, indem es einem anderen Kind etwas zeigen, erklären, ihm in irgendeiner Form helfen kann.

  • Jedes Kind kann den Stand seiner Leistungsentwicklung durch Vergleich einschätzen und beobachten und dabei erkennen, wohin seine Lernentwicklung führt.

  • Jedes Kind erhält mehr Zuwendung, als eine einzelne Lehrerin/ ein einzelner Lehrer ihm geben kann.

  • Jedem Kind wird durch den Rollenwechsel zugemutet, sich mit sich, seinen Gefühlen und seiner Entwicklung auseinander zu setzen.

  • Ein Kind kann seinen individuellen (schnelleren oder langsameren) Lernweg gehen, ohne seine soziale Gruppe zu verlassen.

Da die Kinder im vorschulischen Lebensbereich, Kita und (teilweise) an Grundschulen in jahrgangsübergreifenden Gruppen arbeiten, lernen und/oder spielen, lässt sich diese Auflistung durch folgende Argumente erweitern:

  • Anknüpfen an altersgemischte Gruppenerfahrungen aus Kita und vorschulischem Lebensumfeld (Kontinuität in den sozialen Beziehungen)

  • Sozialbeziehungen unter Kindern unterschiedlichen Alters ermöglichen (Förderung kooperativer Einstellungen und sozialen Verhaltens)

  • Notwendigkeit zu differenzieren und zu individualisieren

  • Möglichkeit für Wechsel unterschiedlicher Positionen und Rangplätze in Lerngruppe

(soziale Erfahrungen)

  • leistungsabhängige Einschätzungen sind variabel (Rollenzuschreibungen durch jährliche Umorganisation variabel)

  • Verweilmöglichkeit im dritten Jahr in z.T. vertrautem Beziehungsgefüge und ohne Stigmatisierung

Die Sechstklässler schlüpfen in die Rollen der Paten und ein jeder ist gefordert, seinen Schützling so gut wie möglich, die ersten Wochen zu begleiten und auch später als direkter, vertrauter Ansprechpartner zur Verfügung zu stehen.

All dies schafft eine gute Voraussetzung, um ein freundliches soziales Miteinander und eine fröhliche und respektvolle Klassengemeinschaft zu erreichen.

Bei jeglichem selbst bestimmten Lernen wird die Eigenverantwortung des Einzelnen gestärkt, das Selbstbewusstsein gefördert. Ein jeder übt sich in Toleranz, er benennt seine Bedürfnisse, kann diese aber auch zurückstecken, wenn die Lehrperson sich gerade um den Mitschüler kümmert.

Kinder, die im Team lernen und positiv voneinander abhängig sind, haben im besten Fall keine oder kaum Konkurrenzängste, da es „normal ist, verschieden zu sein“. Jeder fühlt sich in seinen Stärken und Schwächen wahrgenommen, gefördert, gefordert und angenommen. Insgesamt kommt es zu einer Stärkung des Sozialverhaltens.

Fortbildung und Evaluation

In den kommenden Jahren bilden die Themen der Unterrichtsentwicklung weiterhin einen Schwerpunkt im Fortbildungskonzept. Hier sollen wie in den letzten Jahren insbesondere Formen des Kooperativen Lernens kennen gelernt und umgesetzt werden.

Da an der Mathilde-Anneke-Schule bereits seit 2004 die „Individuelle Förderung“ eine der vier Säulen des Schulkonzeptes darstellt, können die Kolleginnen und Kollegen ihre durch (auch in Zukunft) regelmäßige Fortbildungen und ihre unterrichtliche Arbeit in integrativen Lerngruppen gewonnene Erfahrungen zielführend in das Konzept einbringen.

Eine Evaluation des jahrgangsübergreifenden Unterrichts soll regelmäßig, mindestens zweimal pro Schuljahr erfolgen, um Probleme rechtzeitig erkennen und gegensteuern zu können. Ein halbes Jahr vor Ablauf der Erprobungszeit ist eine abschließende Evaluation geplant.

Unterrichtsorganisation

Zum Schuljahr 2015/2016 sollen die neu aufgenommenen Schülerinnen und Schüler für den 5. Jahrgang der Mathilde-Anneke-Schule mit den Schülerinnen und Schülern des dann 6. Jahrgangs in mindestens zwei jahrgangsgemischten Klassen unterrichtet werden.

Klasse 5

2014/2015

34 SchülerInnen

M1A (5/6)

M1B (5/6)

2015/2016

10

9

2014/2015

17

17

Pro Klasse

27

26

Beispiel für den Aufbau eines Zuges der Stufe M1 für die Jahrgänge 5/6

Die Klassenlehrer dieser Klassen plus evtl. Fachlehrer bilden ein Team.

Alle Klassen erhalten eine eindeutige Bezeichnung, sodass sie sich auch nach außen mit

ihrer eigenen Klasse identifizieren können.

Das Lehrerteam begleitet die Kinder über 2 Jahre, mal als Klassenlehrer, mal als Fachlehrer. Besonderes Augenmerk wird auf die Kontinuität gesetzt und Lehrerwechsel sollten auf ein Minimum reduziert stattfinden.

Der Fachunterricht findet in den jeweiligen Säulen M1A, M1B usw. jahrgangsübergreifend in allen Fächern und jahrgangsstufenbezogen in den Fächern Deutsch, Englisch und Mathematik statt. Der jahrgangsübergreifende Unterricht findet mit Hilfe sogenannter Kompetenzraster binnendifferenziert statt. Kompetenzraster sind eine Möglichkeit darzustellen, welche zentralen Kompetenzen Schülerinnen und Schüler in einem Bereich erwerben sollen. Dabei werden drei Anforderungsniveaus unterschieden.

Die Schülerinnen und Schüler nutzen die Kompetenzraster zur Steuerung ihrer Lernprozesse. Kompetenzraster, individuelle Lern- beziehungsweise Förderpläne bilden die Grundlage für die Leistungsbewertung.

Die Leistungsfähigkeit der Schülerinnen und Schüler bezieht sich auf alle im Unterricht vermittelten und erworbenen Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten. Die Bewertung der Lernleistung geschieht kontinuierlich und bezieht alle im Zusammenhang mit Unterricht erbrachten Leistungen der jeweiligen Schüler ein [siehe SchulG Leistungsbewertung Abschnitt 2, § 48.]. Die Leistungsbewertung wird in den Jahrgängen 5/6 in Form einer entsprechenden Ziffernnote und einem Kompetenzraster am Ende eines Schulhalbjahres bzw. Schuljahres entsprechend der Jahrgangsstufe erteilt.

Fachliche Leistungen

Voll zutreffend

Meistens zutreffend

Weniger zutreffend

Selten zutreffend

Ohne Bewertung

Deutsch

Sachtexte anhand von 5 Lesestrategien erschließen und bearbeiten

x

Vorgangsbeschreibungen in Form von Bastelanleitungen, Rezepten, Wegbeschreibungen und Gebrauchsanweisungen umzusetzen und zu erstellen

x

. Die Lektüre „Dich machen wir fertig“ zu lesen, inhaltlich zu erfassen und die entsprechenden Aufgaben zu bearbeiten

x

Ergänzungen:

mgl. Aussagen über Arbeitsverhalten, Ordnung und Sorgfalt, Motivation

Anforderungsebene : **

Note: 2

Erläuterung der Anforderungs-ebene

*: Unterricht erteilt auf der Anforderungsebene des

Bildungsgangs zum Erwerb des Förderschulabschlusses

im Bereich ‚Lernen‘

**: Unterricht erteilt auf der Anforderungsebene des

Bildungsgangs zum Erwerb des Hauptschulabschlusses

***: Unterricht erteilt auf der Anforderungsebene des

Bildungsgangs zum Erwerb der Fachoberschulreife

Beispiel für eine Leistungsbewertung für die Jahrgänge 5/6

Das fest im Schulleben verankerte individualisierende Formen der Rückmeldung über den Leistungsstand, dient der selbstreflexiven, transparenten und verantwortungsvollen Kommunikation über den individuellen Leistungsstand und sind auch Grundlage für Bewertungsprozesse. Die inhaltlich an die Fächer gebundenen und erbrachten Leistungen fließen in die Bewertung des jeweiligen Fachunterrichts ein. Klassenarbeiten werden im jeweiligen jahrgangsbezogenen Fachunterricht geschrieben und orientieren sich an den entsprechenden Leistungsanforderungen der Jahrgangsstufen.

Zusammenfassung und Ausblick

Die gesamte Schulgemeinschaft der Mathilde-Anneke-Schule hat in allen Gremien die angesprochene Vielfalt innerhalb der Schülerschaft nicht als Problem erkannt, sondern sieht in ihr die Lösung. Durch das Konzept für jahrgangsübergreifendes gemeinsames Lernen in neuen Klassenstrukturen und Kompetenzrastern, die den unterschiedlichen Lerntypen Gelegenheit geben, das Lerntempo und den Lerninhalt ständig zu überprüfen und individuell anzupassen, wird dieser Vielfalt Rechnung getragen.

Das persönliche Lernvermögen und die individuellen Lernprozesse stehen somit noch mehr im Mittelpunkt des pädagogischen Wirkens.

Daraus ergibt sich für alle am Beteiligten, für Lehrerinnen und Lehrer und für Schülerinnen und Schüler sowie deren Eltern eine neue, mutige Sichtweise:

Eine Klasse besteht nicht mehr aus vielen Einzelnen, sondern viele Einzelne bilden eine gemeinsame Klasse.

Auf Basis dieser pädagogischen Grundideen stimmten Lehrerkonferenz, Schulpflegschaft und Schulkonferenz dafür, dass die Mathilde-Anneke-Schule im 50. Jahr ihres Bestehens in einen großen Veränderungsprozess einsteigt und sich auf den Weg zu einer inklusiven jahrgangsübergreifenden Schule macht.